Mittwoch, 13. Januar 2010

Über Motivation 2

Achtung: Lang!

In „Über Motivation“ sprach ich bereits einmal über mein gefühltes Wissen über Motivation. Hier einige weitere Gedanken meinerseits zu dem Thema, ich hoffe es gefällt.


Neulich sprach ich mit meiner Schwester über Schule. Ihr Grundtenor: Mach doch mal was für die Schule, so schwer fällt dir das doch an sich nicht und wenn du nur ein bisschen was tun würdest, würde es starke Auswirkungen haben. Ich antwortete mit „Ich weiß“. Eine Antwort, die offenbar zu Verwirrung führte. Meine Schwester verstand nicht, wie ich etwas wissen konnte, wie mir klar war, dass eine bestimmte Handlung sinnvoll und effizient war, sie aber doch nicht umsetzte. Mir war dieses Problem allerdings sehr geläufig und durch Zufall fand ich dann auch jemanden, der es etwas besser in Worte gefasst hat, nämlich Freud. Er spricht vom „Wissen-und-nicht-Wissen“, ein Zustand rationalen Begreifens, das nicht in eine entsprechende Handlung mündet. Wenn es um Motivation geht, ist dieses „Problem“ eigentlich recht gewöhnlich denke ich. Denn würde man alleine durch Nachdenken, also rein rational Motivation schaffen, würde jeder fleißig sein und kein „Problem“ mit Pflichten etc. haben. Man würde sich einfach sagen: „Ich mache das jetzt, weil es sinnvoll ist“ und gut wäre es. Nichts mehr mit Faulenzen, Rumhängen etc.


So einfach ist das aber nicht. Der „Innere Schweinehund“, der uns gerne an allen möglichen Dingen hindert und nur direkten Spaß im Kopf hat hält nämlich gar nichts von solchen Gedanken. Er möchte am liebsten direkt Spaß und das ohne Pflichten und Konsequenzen. Wenn man sich also für etwas „motivieren“ möchte, muss man versuchen diesen Schweinehund gedanklich auszutricksen. Ich habe mir da ein paar Gedanken zu gemacht.


Grundsätzlich ist dieser „Innere Schweinehund“ Problem und Lösung gleichzeitig. Er möchte nämlich nichts tun, wenn er aber einmal „motiviert“ ist etwas zu tun, versorgt er uns mit Energie eben dies zu tun. Wenn wir ihn also kontrollieren, schaffen wir es aktiv zu werden, schaffen es, motiviert Dinge zu erledigen. Wichtig ist dabei, so ist es mir zumindest vorgekommen, dass der Schweinehund überhaupt gar nichts von langfristiger Planung hält. Man muss ihm immer schnell erreichbare Ziele setzen, wobei die Entfernung der Ziele wohl sehr subjektiv und abhängig von der jeweiligen Selbstdisziplin ist. Wenn man aber mit Dingen kommt wie: „Du bist jetzt in der fünften Klasse, tu was für die Schule, damit du später (lies: in ~10 Jahren) mal einen tollen Job bekommst“, ist das für den Schweinehund etwa so interessant wie ein umgefallener Sack Reis in China. Es interessiert in einen feuchten Kehricht, was mal sein wird oder sein könnte, er lebt relativ zeitnah und sucht das Vergnügen. Quasi nach dem Motto „Lebe jeden Tag als könnte es dein letzter sein“ oder „Nutze jeden Augenblick, es könnte dein letzter sein“. Wir bringen ihn also dazu, uns Energie für Vorhaben zu geben, indem wir ihm kurzfristige, leicht erreichbare Ziele setzen, auch wenn wir sie gedanklich in einem größeren Zusammenhang sehen und wenn wir ihn belohnen. Wenn jemand zum Beispiel plötzlich „fit“ werden möchte, weil er seiner Meinung nach einfach zu viel wiegt, fängt er in vielen Fällen damit an, an einem Tag ein riesen Programm aufzuziehen mit einem langen Lauf, einer tollen Ernährung, keinen Süßigkeiten, und Sit-Ups und Liegestützen bis zum Umfallen. Zwei Stunden später kommt dieser jemand total kaputt aus der Dusche und denkt sich „Wow, das war gut!“. Trotzdem werden nur die wenigsten dieser Menschen am nächsten Tag noch einmal so eine Prozedur durchmachen. Oder zwei Wochen später noch einmal.


Ander Vorschlag: Täglich 10 Sit-Ups, einmal die Woche 10 Minuten Joggen. Klingt ineffektiv? Ist es vielleicht auch. Zumindest zum fit werden. Aber für den Schweinehund reicht es vorerst. Und er ist ein Gewohnheitstier. Haben wir diese Dosis einen Monat lang durchgeführt hat er sie einfach akzeptiert. Er hinterfragt nicht mehr und gibt uns automatisch die Energie dazu. Dann können wir aufstocken. Das können wir auch anfangs planen, solange wir nicht immer nur unser Endziel, sondern auch kleine Ziele vor Augen haben, hat der Schweinehund schon einmal per se mehr Lust. Noch dazu kann man ihn belohnen. Wenn man zum Beispiel einen Text schreiben muss, aber keine Lust hat, sagt man sich zum Beispiel: Ich schreibe die erste Hälfte, dann gönne ich mir eine Pause, lese etwas oder spiele ein Spiel, dann die zweite Hälfte. Das sind natürlich alles nur Hilfen und Krücken, aber um ein Gefühl für den Umgang mit dieser „Motivation“ zu bekommen hilft es sicherlich. Wichtig ist hierbei, dass man die Dinge bewusst tut und sich darüber im Klaren ist, warum man Dinge tut und warum eben nicht.


Ein Beispiel aus dem echten Leben, wo diese Technik ganz normal angewandt wird und wo sich keiner wundert ist zum Beispiel die Schule. Wer käme bitteschön auf die Idee einem Kind schreiben beizubringen indem man ihm einen Stift und Papier gibt und sagt: „Schreib mal einen fünfhundert Wörter umfassenden Text.“? Niemand. Stattdessen bringt man den Kindern Buchstabe für Buchstabe beim hat sogar eine Druck- und dann eine Schreibschrift, beginnt mit kleinen Schritten. Ähnlich ist es im Sport, in der Arbeit, eigentlich überall. Der Schweinehund ernährt sich häppchenweise und sucht Spaß. Er ist gut mit einem kleinen Kind zu vergleichen, da kleine Kinder noch nicht so sehr vom Kopf kontrolliert werden und mehr ihren direkten Bedürfnissen nachgehen.



So das war jetzt lange genug und falls einer von Euch die Motivation hatte bis hier hin zu lesen bedanke ich mich und hoffe, dass einige meiner Ansätze verständlich und hilfreich sind. Falls dem so ist, dürft ihr mir das gerne sagen und falls nicht erst Recht, denn nur mit Kritik kann ich daran arbeiten meine Texte in Zukunft a) kürzer und b)treffender zu gestalten.

Kommentare:

  1. da ich jetzt eigentlich einen book-report für englisch schreiben, kontoauszüge holen, mein zimmer aufräumen oder wenigstens cello üben müsste, hatte ich große motivation, mal wieder einen text von dir zu lesen.
    das kommt uns jetzt hoffentlich beiden zu gute.
    was du schreibst, ergibt sinn, allerdings hast du meiner meinung nach "nur" sehr gut in worte gefasst, was eigentlich jeder weiß und es nur meistens vor sich versteckt.
    ich habe mich ab der ersten nennung des schweinehundes gefragt, wo der überhaupt her kommt und warum so vielen menschen im laufe ihres lebens so ein scheißvieh zuläuft - aber eben nicht allen.

    ist es nicht natürlich, genau das zu tun, was am effizientesten ist? oder sollte man nicht erwarten, dass menschen in ihrem strotzenden egoismus jede möglichkeit ausnutzen, um sich besser zu fühlen (stichwort fitness und zimmer aufräumen)?
    und vor allem, wie lange der schweinehund wohl schon einen festen platz in unserer gesellschaft hat. ist er das verzogene drecksblag der wohlstandsgesellschaft oder ist er tiefer im menschlichen wesen verankert?
    wie auch immer.
    lesen hat sich mal wieder gelohnt und zur bestrafung für meinen müßiggang werde ich jetzt ein bisschen 1984 zerfitzeln, welches dir übrgens mit sicherheit auch gefallen würde.

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  2. Nett, dass du dir die Zeit genommen hast sowohl mein Gekritzel zu lesen als auch ausführlich zu kommentieren. Es hat sich gelohnt ;)

    Also zuerst: 1984 habe ich schon gelesen, ein großartiges Buch :)

    Desweiteren glaube ich, dass jeder einen solchen Schweinehund hat, ob er es zugibt oder nicht, oder noch weniger angreifend: Ob er es realisiert oder nicht. Und ich glaube den gab es auch schon immer. Im Endeffekt ist es ja nur Wortklauberei, über dieselben Themen hat man schon immer gesprochen. Und da komme ich auch zu dem letzten Punkt, ja, ich habe nichts Neues geschrieben. Ich fürchte, das werde ich nie, da ich glaube, dass niemals jemand etwas erfindet, man kann lediglich bestehende Tatsachen in Worte fassen.

    Aber ja, du hast Recht, was ich hier geschrieben habe, liegt an sich auf der Hand. Ich lese solche offensichtlichen Dinge aber gerne und schreibe sie daher auch, da ich es für faszinierend halte, dass man eben weiß, aber dieses Wissen nicht ausreicht. Kann man nicht oft genug lesen. Im Prinzip gilt immer: "Only action can take knowledge into wisdom."

    Ups. Verrant -.-
    Na gut, um es kurz zu machen: I'm just stating the obvious. Und es freut mich, dass es dir gefallen hat.

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