Donnerstag, 16. Dezember 2010

Ich hab da mal 'ne Frage Teil II: Warum wir so konsumgeil sind!

Es ist soweit, Teil 2 des lustigen "Ihr fragt, ich Antworte"-Spiel. Heutige Frage:
"Warum sehnt sich der Mensch nach Dingen, die er nicht hat?"


Um diese Frage zu beantworten bringe ich das menschliche Ego ins Spiel. Das Ego, das ist eine Illusion seiner selbst, das Abbild, was man von sich selber hat. Man gibt dem Ego Attribute, und identifiziert sich damit. Das Ego fühlt sich an als sei „man selbst es“, dabei ist es vielmehr meine Klamotten, mein Auto, mein Job, etc.

Das Ego ist also eine Erscheinung, die wir für unsere Persönlichkeit halten. Wenn Leute uns also loben oder Gutes über uns sagen, denkt unser Ego etwas richtig gemacht zu haben und alles ist gut. Dabei nimmt man übrigens normalerweise nicht wahr, dass hier das Ego aktiv ist, was eigentlich nichts mit dem Menschen dahinter zu tun hat.

Wie stark ein Mensch mit seinem Ego identifiziert ist, kann man meist daran erkennen, wie sehr er auf äußere Umstände, Anerkennung von anderen und den eigenen Besitz achtet. Ist er sehr aufgebracht, wenn ihm etwas kaputt geht und weshalb genau ist er dann aufgebracht? Ist er aufgebracht, wenn man ihn kritisiert? Ist er aufgebracht, wenn er im Regen steht? Fragen über Fragen.

Macht Shoppen glücklich?
Eines ist sicher: Umso mehr Menschen mit ihrem Ego identifiziert sind, umso mehr wird ihr augenscheinliches „Glück“ von außen gesteuert. Absolutes, dauerhaftes Glück oder Glückseeligkeit, kommt aber niemals von Außen, das ist etwas, was der Mensch nur in sich drin hat. Daher das Problem mit dem „immer neue Dinge kaufen“.

Wir neigen dazu, uns über unseren Grundbesitz zu definieren. Es geht hier nicht um die Pauschale: Wer einen Porsche fährt, ist „besser“ als derjenige, der einen alten Golf fährt. Es geht hier um den eigenen Anspruch. Wenn unser Ego darauf eingestellt ist, ein altes und nicht mehr schönes Handy zu besitzen, dann beginnt es uns das immer wieder in Erinnerung zu rufen. Zeigt uns jemand sein Neues Handy freuen wir uns nicht für ihn, wir ärgern uns darüber, dass unseres alt ist. Sehen wir in der Werbung ein neues Handy ist es für uns absolut cool und wir wollen es haben.

Wenn wir also nicht perfekt „glücklich“ sind, suchen wir Gründe. In unserem Falle klar: Ein Neues Handy muss her. Also Zack, ein Neues ist da und wir sind glücklich! Zumindest solange der „Neu“-Effekt anhält. Irgendwann weiß jeder unser Freunde dann auch, dass wir ein Neues Handy haben, Karl-Heinz hat schon ein Neueres und wir haben uns auch dran gewöhnt.

Sind wir glücklicher geworden? Nein. Aber anstatt nun woanders nach der Ursache zu suchen, schnappen wir uns einfach etwas anders materielles, was uns nicht passen könnte: Wir haben ja gar kein Auto, das Bett quietscht, das Fahrrad hat nen Platten und sowieso müssten wir mal wieder Klamotten shoppen.

Am Ende wird sich nichts ändern, was mal neu ist wird auch alt und wenn Glück von materiellem Besitz abhängen würde, dann muss mir mal einer erklären, wie Shaolin Mönche so zufrieden sind. Aber unsere Konsumgesellschaft und unsere Erziehung (Leistung mündet in Erfolg mündet in sozialer Anerkennung mündet in Glück), zeigen uns ja tagtäglich auf, dass der muntere Konsum eine tolle Sache ist.

Meine Antwort also in Kurzform: Wir kaufen uns immer neue Dinge und sehnen uns immer nach dem Neusten, weil wir mit unserem Ego identifiziert sind und das Ego setzt seinen Wert durch äußere Umstände wie Anerkennung durch andere oder Statussymbole fest. Auch wenn wir es rational besser wissen, reicht dieses Wissen alleine nicht aus, um uns dieses Verhaltensmuster abzugewöhnen.

Daher empfinden wir (aka unser Ego) bei neuen Käufen immer eine große Freude, die aber im Endeffekt nur eine Illusion ist und vor allem ein Bruchteil dessen, was WIRKLICHE , innere, Freude ist. Wer wirklich glücklich ist, scheert sich keineswegs um materielle Dinge, er hat mit einem alten Scheibentelefon mehr Spaß als jeder durchschnittliche Jugendliche mit einem iPhone 4!


PS: Die Tatsache, dass Frauen „meistens“ lieber shoppen als Männer hat auch etwas damit zu tun. Frauen neigen nämlich ehr dazu, ihr Glück durch äußere Zustände zu erreichen als Männer. Daher ist für eine Frau ein Tag auch nicht unbedingt leicht perfekt zu gestalten, weil eine schlechte Nachricht alleine ihr schon alles versauen kann und danach macht nichts mehr Spaß. Und bevor ihr meckert: Das ist eine Tendenz! Es gibt auch Männer, die sich sehr von äußeren Umständen abhängig machen und es gibt auch Frauen, die ihr Umfeld kaum kümmert.

Kommentare:

  1. ich mecker jetzt trotzdem mal.
    ich kenne unheimlich viele männliche artgenossen, die ihr ego am neuesten hd-flachbildschirm, der krassesten gamermaus und einem durchgestylten outfit festmachen. der design-desinteressierte höhlenmann ist doch schneematsch von gestern.
    im gegenteil, männliches konsumverhalten macht auf mich häufig einen eindruck des andere-überbieten-wollens, während es bei frauen meistens nur darum geht, aufzuschließen und sich an die gewünschte gruppe anzupassen (ich denke jetzt an sowas wie george-gina-und-lucy-handtaschen, aber auch smartphones, die für viele frauen nur dadurch attraktiv sind, dass sie hübsch aussehen, wohingegen männer dann auch vermehrt funktionen vergleichen und damit "prahlen"). klar, dass auch ich hier nur ein sehr klischeehaftes bild zeichne, was wahrscheinlich nicht so viel mit einzelnen männern/frauen zu tun hat.

    ansonsten finde ich es auch interessant, diesen ego-aspekt auszuweiten und nicht nur auf den konsum modischer, angesagter produkte zu beziehen, sondern gerade auch auf das bewusste wertlegen auf anstößige und überholte sachen. konsum ist fast immer mit einer aussage verbunden. wenn ich zerschlissene schuhe und ein ranziges t-shirt trage, ist das genau so ein statement wie einer dieser schmalen herrenschals kombiniert mit einer schnittigen asymmetrischen frisur.
    und wenn es ist, um sich von diesen ego-konsumenten abzugrenzen..

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  2. mir ist da grad nochmal was zum thema "Frauen neigen nämlich ehr dazu, ihr Glück durch äußere Zustände zu erreichen als Männer" eingefallen, was ja momentan sehr aktuell ist, und zwar weihnachtsgeschenke.
    wenn man da mal die sachen vergleicht, die bei männern bzw frauen ansatzweise glück verursachen, kommt man doch zu anderen ergebnissen.
    anderes beispiel:
    geschlechterorientierung der mediamarktwerbung.

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  3. Ich meinte mit dem Klischee nicht, dass sich Frauen durch ihren Konsum definieren, Männer hingegen nicht.

    Ich spiele nur auf dieses Klischee an, dass Frauen schlechte Laune gerne mal mit "einem sooo tollen Tag" bessern, also indem sie ihre äußeren Umstände anpassen. Das erschien mir beim klassischen Frauen/Männer-Bild ehr weiblich zu sein.

    Heutzutage vermischt sich das alles so oder so mehr und mehr, da hast du mit der MM-Werbung schon ein sehr treffendes Beispiel gedacht.

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  4. Warum sehnt sich der Mensch nach Dingen, die er nicht hat? Was ist sehnen? Warum sehnt sich der Mensch nach Wissen, das er nicht hat? Wissen ist (im Sinne der Frage) ein Ding.
    Dass es das Ego sei, was hier verlangte, ist nur eine Verschiebung von Ebenen. Warum sehnt sich das menschliche Ego nach Dingen, die es nicht hat? Was ist haben?
    Um für alle Menschen gültig zu sein, was die Antwort der Frage voraussetzt, müsste das Prinzip des Egos auch für Mönche gelten, ihr Ego-Prinzip möglicherweise die Ausschaltung des Egos. Oder die Verschiebung des Egos auf andere Bedürfnisse. Kann das Ego zwischen Materialität und dem Imaginärem unterscheiden, wenn es um das Verlangen geht? Oder bleibt am Ende: Ich will diesen Lippenstift; Ich will diesen Zusammenhang verstehen.

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