Freitag, 10. Dezember 2010

Wikileaks Teil II oder auch: Was es bedeutet, Staatsfeind zu sein

Hier ein paar Gedanken zur Wikileaks-Affäre. Erst einmal etwas zu dem „gesuchten“ Julian Assange. Der junge Mann wird, so wie ich das sehe, weltweit gesucht und zwar nicht nur durch die lokale Polizei, nein, er steht bei InterPol auf der „Red List“, was heißt: Sobald er in irgendeinem Kuhkaff von einem Beamten erspäht wird, muss er gemeldet werden und sich verantworten.

Freiheitskämpfer oder Terrorist?
Weswegen ist der Mann angeklagt? Vergewaltigung und Nötigung. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass kein anderer Mensch, dem man etwas ähnliches vorwirft, so verfolgt wird! Hinzu kommt folgende Geschichte, für alle die sie nicht kennen: Assange wollte sich vor der Schwedischen Polizei bezüglich der Vorwürfe rechtfertigen und wartete 2 Monate vergeblich auf einen Termin. Dann ging er nach England und sowohl die Schwedischen als auch die Britischen Behörden kannten seinen Aufenthaltsort. Weitere 3 Monate passiert nichts, bis Assange sich selber stellt und über eine Kaution verhandeln möchte. Gut, dass kurz vorher der formell richtige Haftbefehl der Schweden eingegangen war und zack ist Julian in U-Haft. Nun geht es um die Überlieferung nach Schweden, was noch Sinn macht. Einige spekulieren aber auch auf eine Auslieferung nach Amerika und das mach überhaupt keinen Sinn!



Ich habe mich da mal schlau gemacht. Eine Auslieferung an die USA wäre nur legitim, wenn er dort eines Verbrechens bezichtigt würde. Das ist nicht der Fall, wenn es dort Vorwürfe gibt, dann überhaupt nur gegen Wikileaks, nicht gegen Assange persönlich. Und noch dazu ist die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten kein Strafbestand, sonst würde sich jede dahergelaufene Tageszeitung strafbar machen. Nur die Beschaffung ist illegal, daher werden in Deutschland Informanten der Presse auch geheim gehalten. Oder was meint ihr, wo die Informationen über Stasi, RAF und Co so herkommen? Wikipedia? Sicherlich nicht. Der Unterschied ist einfach: die Presse hat unbekannte Informanten, Wikileaks hat mit Assange ein Gesicht. Und an diesem möchte die USA nun ein Exempel statuieren um zu zeigen: Wer sich uns zum Feind macht, hat verloren. Schade nur, dass sich Amerika damit mit dem Volk angelegt hat und nun ein Cyberwar ausbricht, ein Bürgerkrieg des 21. Jahrhunderts. Blöd ist auch, dass bei vergangenen Bürgerkriegen der Staat aufgrund von Polizei und Militär immer im Vorteil war, jetzt ist das nicht mehr so. Die Bevölkerung hat aufgrund des Internets mittlerweile in einem solchen Krieg mindestens genausoviel, wenn nicht sogar mehr Macht als der Staat und spätestens wenn in Amerika die ersten Energiekraftwerke ausfallen, merkt das auch das weiße Haus.

Übrigens: Ich sage hier nicht, dass Wikileaks oder die Anons mit ihrer Operation Payback gut oder schlecht sind, darum geht es mir hier gar nicht. Ich sage einfach nur, dass wir hier Zeugen eines Krieges werden, der Geschichte schreibt. Hoffen wir nur, dass Assange die Unterstützung der Bevölkerung nicht ausbaden muss, Folter durch CIA und FBI zählt sicher nicht zu seinen Lieblingsaktivitäten. Was Wikileaks angeht sieht man so oder so in meinen Augen recht deutlich: Assange ist quasi der Kopf einer Hydra namens Wikileaks. Schlägt die USA ihn ab, wachsen einfach ein paar Kleinere nach, die aber nicht minder großen Einfluss haben. Als ob sie Wikileaks und dem Unmut der Bevölkerung einen Riegel vorschieben, wenn sie eine Person aus dem Verkehr ziehen.

Beobachten wir also, wie der Staat sich am Internet die Zähne ausbeißt und hoffen, dass möglichst wenig „kleine Fische“ leiden müssen, damit das ganze irgendwann ein Ende hat.


Wer ist der Verbrecher, die Soldaten oder der Fotograf?
Eine Anmerkung auch noch zu dem Soldaten, der damals die Videos aus dem Irak an Wikileaks weitergegeben hat und nun vor dem Militärgericht steht: WIE ZUM TEUFEL KOMMT JEMAND AUF DIE IDEE, DASS DIESER MANN ETWAS VERKEHRTES GETAN HAT? Jedem Menschen sollte es einleuchten, dass er Zivilcourage zeigen sollte, wenn etwas Unrechtes vor seinen Augen passiert. Wenn also jetzt ein Soldat von seinen Vorgesetzten den Befehl bekommt, Zivilisten zu erschießen, seine Kollegen das genießen und Spaß haben, an wen soll er sich denn wenden? Er ist in diesem Fall eben über Wikileaks an die Öffentlichkeit gegangen und hat über die Kriegsverbrechen berichtet. Eigentlich eine ziemlich heldenhafte Tat, wenn man mal daran denkt, wie einschüchternd das Militär sein kann. Und was gibt es zum Dank? Den Verbrechern, die unschuldige Kinder abknallen, passiert NICHTS und dieser Mann wird für Zivilcourage vors Tribunal gestellt. In was für einer Welt leben wir denn hier? So oder so, es gibt unzählige Skandale über sadistische Soldaten, die im „Einsatz“ (es ist ja kein „Krieg“ -.-) Gott spielen und alle eingesperrt gehören und was passiert? Nichts, die USA macht fröhlich weiter. Das ist wirklich unglaublich und vor allem nichts Neues, Skandale über das Amerikamische Militär sind ja nichts aus dem Jahre 2010, das laß man schon vor Jahren in Stern, Focus und Co., übrigens alles herangetragen von „geschützten Informanten“, schöne Grüße.

Offenbar gehen Staaten dem Klischee entsprechend bei so etwas einfach über Leichen und wir alle gucken dabei zu und können nicht viel machen. Für mich ist soviel Ungerechtigkeit(Von meiner Moral her) momentan noch kaum fassbar, daher ist dieser Post auch so unstrukturiert und subjektiv. Was denkt ihr, werden hier einfach nur Verbrecher bestraft, die das Gesetz übertreten haben, oder spielen wir gerade verkehrte Welt und der böse Staat lässt seine Muskeln spielen?

Übrigens, wer glaubt, Wikileaks sei was ganz neues, dem empfehle ich diese geniale Seite: Why is Wikileaks a good thing again?

Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel, ein paar (mehr) Verlinkungen zu anderen Artikeln/News mit zusätzlichem Inhalt usw wären noch nett gewesen, für Leute die sich schnell tiefer einlesen wollen, ist aufjedenfall empfehlenswert, UND gibt backlinks, wenn du's richtig machst ;) :D

    Ansonsten noch zur Sache Wikileaks/Assange selbst:
    Ja, sehe das ganze genauso wie du. Und, wo wir schon von Vergewaltigung reden, und jemanden wie Assange wegen seiner angeblichen Vergehen festnehmen wollen: http://blogs.houstonpress.com/hairballs/2010/12/wikileaks_texas_company_helped.php
    SOLCHE Leute sollten verhaftet werden, mhm?? DAS nenn ich Vergewaltigung, und sollte meiner Meinung nach VIEL härter verfolgt werden als Assange, der sich ja sogar selber gestellt hat, um seinen Namen reinzuwaschen. Übrigens, sollte er nach Amerika ausgeliefert werden, wette ich 100%, dass die insurance.aes256 freigegeben wird.
    Aber sollte Assange _ernsthaft_ in Amerika die Todesstrafe bekommen... das wäre ein rabenschwarzer Tag für die Menschheit, wenn nicht der ganze bisherige Ablauf "rabenschwarz genug" ist..

    Ja, sehr cooler Artikel, alle mit denen ich in letzter Zeit über Assange/wikileaks geredet habe, scheinen dieselbe Ansicht zu teilen. Aber in England/Amerika scheint das ganze anders gesehen zu werden, ich bin bisher noch enttäuscht von Obama, von dem ich zu der ganzen Aufregung noch praktisch nichts gehört habe, aber das könnte auch an mir liegen... naja, aufjedenfall hoffe ich das Sarah Palin 2012 _NICHT_ gewählt wird.. DAS wäre, glaube ich, WIRKLICH schlim.. wollen wir mal hoffen, dass sich Amerika bis dahin wieder einfindet, sonst wirds düster ~ :D

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  2. Freut mich, dass wir hier einer Ansicht sind :) Guter Tip auch mit den Links, werd ich dran denken.
    Einen Vorteil hat die Wikileaks-Affäre übrigens noch obendrauf: Anons weltweit bekommen die Aufmerksamkeit, die sie schon immer verdient haben! :)

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