Sonntag, 4. Dezember 2011

Gaming Weekly KW 48: Roadtrip durch Mittelerde

Donnerstagabend, die Rollladen der Fenster sind bereits unten, das Bier steht kühl und bereit. Wir bewaffnen uns mit Controllern und ziehen virtuell nach Mittelerde. Dort treibt es uns nämlich hin diesen Donnerstag. Denn seit Kurzem hat das berühmte Entwicklerstudio Snowblind (Baldur’s Gate:Dark Alliance; Champions of Norrath) mit einem neuen Action-Rollenspiel nachgelegt. Nach Mittelerde soll es gehen, um mal wieder die teuflischen Pläne Saurons zu vereiteln.


Vertraut uns, wir sind Snowblind, mit Action-Rollenspielen kennen wir uns aus“, sprachen die Entwickler und versprachen sogar einen lokalen Koop-Modus. Klingt super? Fanden wir auch! So haben wir die Nacht zum Tag gemacht und sind kampfbereit in Richtung Norden aufgebrochen um das Spiel auf Herz und Nieren zu testen. Ob sich der Road-Trip für unsere Gemeinschaft als Gefährten gelohnt hat oder wir am liebsten wieder umgekehrt wären, erfahrt ihr in unserem Test.



Dieser Lande haben schon zu lange in Frieden gelebt!“ (Agandar, Hauptbösewicht in HdR-DKiN)


Kaum eine halbe Stunde im Spiel sind wir auch begeistert, man könnte sagen verwirrt vor positiver Überraschung. Drei nette Klassen, generelle XP pro Account, so dass man Klassen wechseln kann, ein nettes Skill-System mit einer Mischung aus aktiven und passiven Skills, ein Inventar mit leichten optischen Auswirkungen, schicke Gegner und einfach ein ordentliches Hack’n’Slay-Gefühl. Doch wie so oft trügt der Schein.



Hätten wir es bei dieser ersten halben Stunde belassen, wir würden das Spiel hier wohl über den Klee loben, aber das haben wir zum Glück nicht getan und 6 Stunden und einige Biere später wird klar: Der Krieg im Norden hält nicht, was er verspricht. Das Skill-System? Oberflächlich und ohne merkliche Auswirkungen. Zu wenige aktive Skills sowie schwache passive Skills. Das Inventar? Nett, aber selten gibt es neue Ausrüstungen, Händler sucht man Vergebens und eine Sucht-Spirale, die man selbst in Veteranen wie Diablo 1 schon besser hatte, ist nicht zu verzeichnen. Hinzu kommt, dass während des ganzen Spielens kein Fünkchen Herr der Ringe-Atmosphäre aufkommt. Lediglich als wir ein paar Bekannte wie Frodo oder Gandalf treffen merken wir, dass es sich um ein solches Spiel handelt, aber weder der Soundtrack, noch die sonstige Gestaltung differenzieren Den Krieg im Norden von anderen Fantasy-Spielen dieser Gattung.

Doch als wären ein auf Dauer monotones Kampfsystem sowie eine schwache Atmosphäre nicht schon genug, verpackt man das ganze auch noch in einer belanglosen Story, die schwach präsentiert und durch wirre Charaktere (Ein übergroßer Vogel, der eloquentes Oxford-Englisch spricht und euch unterstützt) aufgepeppt wird.


Ihr reist also Checkpoint für Checkpoint durch Mittelerde, wobei immer zwischen Kampf-Platz und Stadt/Friedlicher Ort gewechselt wird. Ärgerlicherweise könnt ihr euch nicht frei teleportieren. Seid ihr also in einen Kampfbereich gereist, müsst ihr dort so lange herumlaufen und kämpfen, bis ihr den ersten Handelspunkt findet. Diese sind spärlich in den Levels verteilt und sind meist einfach leuchtende Punkte an der Wand. Warum man bereits abgeschlossene Level nicht sofort wieder verlassen kann ergibt sich dabei an keiner Stelle. Das ist nicht nur unkomfortabel, es ist auch noch ärgerlich, weil ihr so schneller hochlevelt und in den darauffolgenden Herausforderungen zu stark seid. Generell ist das Balancing vom Krieg im Norden arg vermurkst. So werden Anfänger zu Beginn des Spieles hart zu kämpfen haben, während nach ein paar Spielstunden kaum noch Verletzte zu verzeichnen sind. Wird euch dann langweilig könnt ihr ja noch den Horde-Modus ausprobieren.




Versteht das hier nicht falsch, wir hatten mit dem Krieg im Norden eine Menge Spaß. Doch das lag vor Allem daran, dass wir es zu zweit gespielt haben. Und ja, das Schnetzeln von Orks macht Spaß, gerade im Koop. Nur warum hat man es so halbgar gelassen? Bei allen Elementen (Skill-System, Inventar, Gegnerklassen) hat man so gut angefangen, aber auf halbem Weg aufgehört. Der Krieg im Norden ist ein gutes Spiel im Koop mit sehr viel Potenzial und hätte viel besser sein können. Daher mein Fazit: Mit guten Zockerfreunden im Koop durchaus genießbar, alleine niemals empfehlenswert. Schnappt euch ein bis zwei Freunde, leiht euch den Krieg im Norden für ein bis zwei Tage aus der Videothek und ihr habt alles von dem Spiel, was ihr bekommen könnt.
Phil K. aka terrence
4/8 Einfach nur ausleihen ;)



Auch wenn die Entwickler bei der Ankündigung des Spiels viel versprachen und „Herr der Ringe“-Fans auf ein actionreiches „Hack-and-Slash-Abenteuer“ im Herr der Ringe Universum hoffen ließen, gelang es Snowblind nicht, ein Spiel zu erschaffen, das sich mit der heutigen Konkurrenz auch nur annähernd messen kann. Zumindest beflügeln ein unmotivierendes Level-Up-System, ein einfallsloses Kombo-System, mangelnde Abwechslung und eine insgesamt sehr bescheidene Story nicht gerade die Kaufentscheidung. Herr der Ringe-Feeling und Suchtfaktor – Fehlanzeige. Es scheint, als hätten die Entwickler sich einfach zu viel vorgenommen oder sich zu sehr auf ihre Kenntnisse verlassen und sich dann bei der Umsetzung verzettelt. Beinahe alle Elemente von Herr der Ringe: Der Krieg im Norden haben andere Spiele schon besser umgesetzt. Leider fühlt sich der Titel am Ende unausgegoren und halbfertig an. Für einen Kauf finden sich also in der Gesamtbetrachtung relativ wenig gute Argumente, allerdings spricht – bei bescheidener Erwartungshaltung – auch nichts dagegen, sich das Spiel einmal für 1-2 Tage auszuleihen. Ich kann weiterhin nur empfehlen, das Spiel kooperativ mit einem Freund zu spielen. Der Einzelspieler dient wohl eher dazu, zu zeigen, wie viel besser das Spiel im Koop ist. Dort kann das hirnlose Button-Mashing durchaus Spaß machen – zumindest nach zwei bis zwanzig Bier. Unser Road-Trip durch Mittelerde – ein einmaliges Erlebnis.
Phil H. aka Reaver

5/8 wenn ihr mit einem Freund spielt
4/8 wenn ihr alleine spielt






Also liebe Leser:Vertraut uns, wir sind Gaming Weekly, mit Testberichten kennen wir uns aus!

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